Medaillenfreude in Aachen

Bei den European University Championships (EUC) in Subotica, Serbien, hat der Achter der RWTH Aachen erstmals bei einer EUC eine Medaille errudert. Nach Jahren der nationalen Dominaz bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften Grund genug, bei Steuerfrau Miriam Höner nach der Gefühlslage des RWTH-Achters zu fragen.

 

Miriam, Aachen ist seit zig Jahren die Achter-Hochburg bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften. Warum seid ihr im Achter so gut?

MH: Ich denke der „Trick“ ist die berühmte „Konkurrenz im eigenen Geschäft“. Wir haben hier mittlerweile einige starke Männer und können bzw. müssen Ausscheidungen fahren. Wer also einen Platz im Achter will, muss im Winter ordentlich trainieren, um einen der Rollsitze zu „ergattern“.

 

Wie sieht ein Jahresverlauf aus, rudert ihr das ganze Jahr gemeinsam?

MH: Wir haben das Problem, dass Aachen leider kein Wasser hat und unser Uni-Bootshaus sehr weit weg ist. Insofern müssen wir uns, gerade im Winter, mit Hallentraining behelfen, am Wochenende gehen die meisten bei sich in den Heimatvereinen rudern. Soweit es geht, versuchen wir aber, die Trainings halbwegs gemeinsam zu absolvieren, was aber bei nur 4 Ergos im Uni-Gym eine logistische Leistung ist. Den wirklichen gemeinsamen Trainingsauftakt starten wir meist im April mit einem Trainingslager in Südfrankreich. Danach startet das gemeinsame Bootstraining in Maastricht, wo wir ein super Trainingsrevier haben.

 

Was ist das Geheimnis, so lange als Standort erfolgreich zu sein, zumal Aachen ja grundsätzlich nicht als Ort des Rudersports bekannt ist?

MH: Ich glaube durch den guten Ruf der Uni haben wir einen relativ großen Einzugsbereich, hauptsächlich aus NRW, aber auch aus ganz Deutschland. Mittlerweile ist der RWTH-Achter bekannt, sodass Ruderer, die in Aachen anfangen zu studieren und nach wie vor rudern wollen, meist von alleine anfragen. Womit wir dann wieder bei der internen Konkurrenz wären…

 

Wie bewertest Du mit deinem Team die EUC-Medaille in Serbien. Freude, Genugtuung oder Erleichterung, dass es endlich geklappt hat?

MH: Erstmal natürlich große Freude, ich glaube das hat man im Ziel auch gesehen 🙂 ! Genugtuung und Erleichterung sind natürlich auch dabei, gerade nachdem dieses Jahr noch einmal erheblich mehr in die Vorbereitung investiert wurde. Ich glaube ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass bei der gesamten Mannschaft noch ein weiteres Gefühl hinzukommt, das wohl auch noch ein bisschen anhalten wird: Stolz!

 

Bei der DHM im September seid ihr bestimmt dabei und wollt Euch für die EUG (European University Games) in Coimbra, Portugal, qualifizieren. Wann sehen wir den RWTH Achter as erste Mal bei der DHM Ergometer. 2018 in Mosbach?

MH: Bei der DHM im September sind wir sicher dabei, es soll auch mehr als nur der Achter werden. Bisher hat Ben Behr die RWTH schon einmal bei der DHM Ergo vertreten, die Planungen für nächstes Jahr stehen allerdings noch nicht fest.

 

Zur Person: Miriam Höner (Jg. 87) stammt aus Wiesbaden und hat bis 2009 erfolgreich Leistungssport im Deutschen Ruderverband betrieben. Ihre größten Erfolge waren Silber- und Bronzemedaillen im Leichtgewichts-Doppelvierer sowie mehrere DHM-Medaillen.

2009/10 hat sie in Oxford gerudert und am Boat Race teilgenommen. Als Studentin in der Schweiz (ETH Zürich) ruderte Miriam 2013 als Aktive bei den European University Championships I’m 4- zu Silber. Seit November 2013 promoviert sie in Aachen an der RWTH und bringt ihre Erfahrung aus dem Rudersport im Achter der RWTH als Steuerfrau ein.

DSD